Junge Liberale Bonn: Wie alles begann

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Junge Liberale Bonn: Wie alles begann von Liane Knüppel


Bundeshauptstadt Bonn im Sommer 1980. In der Danziger Lenin-Werft beginnt ein Streik, der sich auf ganz Polen ausweiten wird, Bob Marley gibt in Pittsburgh sein letztes Konzert, Reinhold Messner besteigt den Mount Everest, und es sind nur noch wenige Wochen bis zur Bundestagswahl am 5. Oktober. Das Kanzlerduell zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß spaltet das politische Deutschland.

An den Universitäten in Deutschland sind zu jener Zeit zwei Hochschulgruppen aktiv, die das Wort liberal im Namen tragen: der Sozialliberale Hochschulverband (SLH) und der Liberale Hochschulverband (LHV). Während der SLH als parteiunabhängiger Verband an den Hochschulen zumeist in der Opposition bleibt, aber viele liberale Ideen entsinnt und weiterentwickelt, agiert der LHV im hochschulpolitischen Spektrum sehr weit links und koaliert grundsätzlich nur mit linken, fast ausschließlich marxistischen Hochschulgruppen wie dem SHB und dem MSB Spartakus. Auch die Judos, die offizielle politische Jugendorganisation der FDP, entfernen sich in ihrer Programmatik immer weiter von den Grundsätzen der FDP. Im März 1980 spricht der FDP-Parteivorsitzende Hans-Dietrich Genscher von einer „nie da gewesenen Ferne der Jungdemokraten zur Partei“.

Für viele junge FDP-Mitglieder war die Politik der Jungdemokraten untragbar, und sie hatten deshalb auch keine Lust, dort mitzuwirken. Sie schlossen sich in „Gesprächskreisen Junge Liberale“ zusammen - so auch Ende der 70er Jahre in Bonn. Aus diesen Gesprächskreisen heraus wird im Sommer 1980 als einer der ersten offiziellen Verbände sowohl der Bezirksverband Köln/Bonn als auch der Landesverband NRW der Jungen Liberalen gegründet. In jener Zeit finden auch in Bonn regelmäßige Treffen der „Arbeitsgemeinschaft Junger Liberaler in der FDP“ statt, über die in der Presse berichtet wird. Angesprochen durch einen Zeitungsartikel im Bonner „Generalanzeiger“ erscheint im September 1980 ein motivierter 18-jähriger Abiturient namens Guido Westerwelle in unserer Studentenwohnung in der Vorgebirgsstraße, um sich über die Jungen Liberalen und über ihre Grundsätze und politischen Ziele zu informieren. Er ist dann auch dabei, wenn es darum geht bei der Erstellung des Pressespiegels oder der Versendung von Rundschreiben zu helfen.

Die Bonner Gruppe um den Chefprogrammatiker Hartmut Knüppel gilt zu jener Zeit als eine der aktivsten bei der Entwicklung jungliberaler Ideen. So findet im Vorfeld der Gründung des Bundesverbands am 21. und 22. Juni 1980 die erste Sitzung der Programmkommission in Bonn-Duisdorf statt, bei der die Kernthesen eines Grundsatzprogramms beschlossen und ein Satzungsentwurf diskutiert sowie die erste bundesweite Mitgliederzeitschrift vorbereitet werden.

Der Gründungskongress des Bundesverbands der Jungen Liberalen findet am 1. und 2. November 1980 in der Stadthalle Bonn-Bad Godesberg statt. Um auf die FDP im Vorfeld der Bundestagswahl Rücksicht zu nehmen, wird die konfliktträchtige Gründung des Bundesverbandes bewusst auf die Zeit nach der Wahl gelegt. Denn innerhalb der FDP gibt es u.a. durch den damaligen Innenminister Gerhart Rudolf Baum und den Generalsekretär Günther Verheugen starke Widerstände gegen die Gründung einer neuen Jugendorganisation, mit Werner Klumpp und Hildegard Hamm-Brücher aber durchaus auch Befürworter.

Im ersten Bundesvorstand der Jungen Liberalen sind die Bonner mit Hartmut Knüppel als stellvertretendem Bundesvorsitzenden und Pressesprecher vertreten. In der Folgezeit wächst die Mitgliederzahl der Bonner Gruppe, und es gründen am 8. Januar 1981 ein gutes Dutzend junger FDP-Mitglieder den Kreisverband Bonn der Jungen Liberalen. Zum ersten Kreisvorsitzenden wird der inzwischen 19-jährige Jura-Student Guido Westerwelle gewählt.

Liane Knüppel war Mitinitiatorin der Jungen Liberalen, Gründungsmitglied des Bundesverbandes sowie des Kreisverbandes Bonn. Heute war sie u.a. Vorsitzende vom Netzwerk 80 und Mitglied im Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.